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Content Management Systeme (CMS)

Universalgenie im Expertenmodus

 © w3nord, Juli 2010 / Juni 2013
 

Was ist eigentlich ein CMS?

Das Kürzel 'CMS' steht für den englischen Begriff 'Content Management System' und bedeutet wörtlich übersetzt 'Inhalt-Verwaltungs-System'.

CMS Editor und Admin ToolIm Zusammenhang mit Webseiten dient ein CMS dazu, Inhalte ('Content') auf komfortable Weise und ohne Programmierkenntnisse auf der Website zu publizieren und zu verwalten. Zu diesem Zwecke stellt ein CMS eine kom­plet­te Webseitenstruktur mit grundlegenden Systemfunktionen (z.B. Erzeugen von Seiten, Navigation) sowie ein standardisiertes Seiten­gerüst (Seitenkopf und -fuß, Seitenleisten, Template) zur Verfügung, in das textliche und multimediale Inhalte mit Hilfe spezieller Webeditoren oder über automatisierte Abläufe und Routinen eingefügt werden.

Darüber hinaus kann ein CMS weitere Funktionen zur Aufbereitung der Inhalte (z.B. Bildergalerie) und zur Interaktion (Kontaktformular, Kommentar­funktion etc.) als integrale Systembestandteile oder in Form von Modulen bereitstellen.

Ein wesentliches Merkmal eines modernen Web- CMS ist der Umstand, dass
- die Systemkomponenten und Funktionen
- die äußere Form, also Seitengerüst, Template incl. Layout und Design
- die Seiteninhalte (Content)
unabhängig voneinander verwaltet und bearbeitet werden können.
Dies bedeutet in der Praxis, dass Funktionen weiterentwickelt oder das Template eines CMS umgestaltet werden können, ohne dass sich an den Seiteninhalten etwas ändert.

Die ersten CMS wurden in der 2. Hälfte der 1990er Jahre entwickelt. Davor erfolgte die Erstellung von Webseiten zumeist auf herkömmliche Weise:
 

Webdesign in der guten alten Zeit...

Bis vor wenigen Jahren waren Form, Inhalt und Funktionalität einer Website meist untrennbar miteinander verwoben. Das Einstellen von Texten und Bildern erforderte programmiertechnische Fachkenntnisse, Design und Content mussten regelrecht in die Codestrukturen einer Website eingeflochten werden. Was lag also näher, als dem Webmaster sämtliche mit der Website in Zusammenhang stehenden Aufgaben gänzlich zu übertragen, ganz gleich, ob es sich um Programmierung, Bildbearbeitung und -gestaltung oder das Verfassen redaktioneller Artikel handelte?

Durch die enorme Zunahme der Bedeutung und damit einhergehend der kommerziellen Chancen des Internet wuchsen die Qualitätsansprüche an Webpräsenzen. Zugleich sorgte die ungebremste Fortentwicklung (informations-) technologischer Möglichkeiten für eine gesteigerte Komplexität der Aufgabenstellungen.
 

Arbeitsteilung und Spezialisierung

Diese stetig wachsenden Anforderungen führten schließlich wie in nahezu allen anderen entwickelten Wirtschaftsbereichen dazu, dass Arbeitsteilung und Spezialisierung bei der Gestaltung von Internetseiten verstärkt vorangetrieben wurden. Denn ein guter Autofahrer muss nicht zwingend ein erstklassiger Automechaniker sein und ein guter Mechaniker nicht unbedingt ein überragender Konstrukteur. Tun sich aber  Experten aus den jeweiligen Fächern zusammen, sind sie als Team dem Universalgenie, das sich in allen Disziplinen versucht, in der Mehrzahl der Fälle überlegen.
 

Neue Sprachen und Konzepte für das Web 2.0

Durch die Einführung und Verbreitung von (Cascading) Style Sheets (CSS) gegen Mitte der 1990er Jahre[1] wurde es möglich, Text- und Seitenformatierung weitgehend aus dem HTML-Code heraus in einen davon getrennten Layout- Bereich auszulagern (Stichwort: Boxmodell[2]).

Die etwa zur gleichen Zeit entwickelten Scriptsprachen Javascript[3] und PHP[4] eröffneten breiten Anwenderkreisen vergleichsweise komfortable Möglichkeiten, durch Variabilisierung, Flexibilisierung und Dynamisierung der Seiteninhalte sowie insbesondere durch die Integration einer Fülle interaktiver Funktionen quasi in neue Dimensionen dynamisch-interaktiver Webseitengestaltung vorzudringen.

'Web 2.0'[5] ist der Schlachtruf dieser Aufbruchstimmung, die zu Beginn diesen Jahrhunderts Fahrt aufnahm. Die Anzeige von - je nach Herkunft oder (anhand gesammelter Daten vermuteten) Interessen des Besuchers - unterschiedlichen Seiteninhalten, eine zeit- zufalls- oder anderweitig gesteuerte Seitenoptik, die Ausgabe sich aktualisierender Feeds, Foren und Chatrooms, in denen die verschiedenen Nutzergruppen über unterschiedliche Berechtigungen verfügen, sind Beispiele für Features dieses 'Internet reloaded'.

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse und Voraussetzungen ist die Entwicklung von (Web-) Content- Management- Systemen, kurz (W)CMS, zu verstehen.
 

CMS - Theorie ...

Eine von einem modernen CMS gesteuerte Website konstituiert sich grob betrachtet aus den 3 Teilbereichen: Funktionalität - Form - Inhalt, die ineinander greifen und sich gegenseitig ergänzen. Jeder dieser Bereiche ist zwingend erforderlich, andererseits kann jeder dieser Bereiche weitgehend unabhängig von den anderen Bereichen von Spezialisten des jeweiligen Faches bearbeitet werden.

Der Programmierer stellt Programmstruktur und Funktionalität zur Verfügung, um beim Autovergleich zu bleiben also sozusagen Motor und Fahrwerk des Gefährts, der Designer sorgt für das gestalterische Konzept und die Informationsarchitektur, also die Karosserie incl. der Anordnung der Instrumente im Cockpit, während der Redakteur oder Autor für den textlichen, graphischen und interaktiven Content verantwortlich zeichnet, also gewissermaßen am Steuer des Fahrzeuges sitzt und das Ziel der Fahrt bestimmt.
 

... und Praxis

In der Praxis erlauben Conten- Management- Systeme den Betrieb einer Website weitgehend ohne Kenntnis der einschlägigen Auszeichnungs- bzw. Programmiersprachen wie (X)HTML, PHP, CSS oder Javascript etc.. Denn für die Funktionalität haben ja bereits die Programmierer gesorgt, die das CMS entwickelt haben. Und auch spezielle Fachkenntnisse und Fähigkeiten im künstlerisch-gestalterischen Bereich sind nicht erforderlich, denn diesen Bereich deckt der Designer ab, der Rahmen und schmückendes Beiwerk der Internetpräsenz in Form eines günstigenfalls individuell gestalteten Templates beisteuert.

Der Redakteur bzw. Autor kann sich daher ganz auf die Erstellung interessanter und attraktiver textlicher, bildlicher oder sonstiger Inhalte konzentrieren sowie auf die damit verbundenen entsprechenden vorbereitenden Arbeiten und Massnahmen wie Recherche, Studium und Analyse. Darüber hinaus kann er diesen Content mit geringem Aufwand selbst auf der Seite anordnen und publizieren.

Content- Management- Systeme sind damit ein ideales Werkzeug für den engagierten Redakteur und Webmaster, der die Inhalte seiner Website selbstverantwortlich und aktiv gestalten und die Kosten dafür im Griff behalten möchte, ohne sich in erheblichem Umfang in die technische Ebene der Webentwicklung einzuarbeiten.

Durch die Vielzahl an Erweiterungsmodulen (Plugins), die oftmals von einer vielköpfigen Community meist im Rahmen von Open Source Projekten zur Verfügung gestellt werden, ist inzwischen ein dem aktuellen Stand der Technik entsprechendes, aktiv von einem Team von Experten weiterentwickeltes CMS in der Regel einer individuell programmierten Webpräsenz überlegen, wenn man alle Bewertungsfaktoren einschließlich Kosten-/Nutzenrelation berücksichtigt. In einem derartigen CMS sollte zudem immer die Möglichkeit bestehen, evtl. doch noch fehlende und nicht als Plugin angebotene Funktionalitäten individuell nachzurüsten.

Der systembedingten Uniformität eines CMS kann man dadurch entgehen, indem man das CMS in ein individuelles, ggfls. von einem Designer kunstvoll gestaltetes Template kleidet. Einem solchen Template sieht man oftmals nicht an, welches CMS sich dahinter verbirgt.
 

Backend und Frontend

Im Zusammenhang mit einem CMS tauchen oft die Begriffe 'Backend' und 'Frontend' auf. Was bedeuten diese Begriffe?

Das Frontend einer Website ist der öffentlich zugängliche Bereich einer Website, also das, was ein Besucher der Seite sehen kann, wenn er sich die Webpräsenz Seite für Seite anschaut.

Das Backend ist die Arbeitsumgebung des Administrators oder Redakteurs, der die Seite verwaltet. Das Backend ist ein passwortgeschützer Bereich, der nur von berechtigten Mitarbeitern der Website (meist durch Eingabe eines Passwortes im Rahmen eines login- Prozesses) betreten werden kann und somit für die 'normalen' Besucher einer Website unzugänglich ist.

Fortgeschrittene Content Management Systeme verfügen über eine mehrstufige Rechteverwaltung. Das bedeutet, dass das Backend je nach Aufgabenbereich unterschiedliche Rechte und Funktionen zur Verfügung stellt. So kann beispielsweise ein Redakteur möglicherweise lediglich Unterseiten anlegen sowie Inhalte (Texte, Grafiken, Videos etc.) bearbeiten, während ein Administrator darüber hinaus Anwendungen installieren und das Design der Seite verändern kann.
 

[1]  The CSS Saga

[2]  Boxmodell (SELFHTML)

[3]  Javascript: How Did We Get Here?

[4]  History of PHP

[5]  Web 2.0 (Wikipedia)

 

3 Kommentare

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Sabrina Schur
2011-10-26, 11:19:01
Hallo Joachim und danke für den Artikel. Besonders deine Quellen zur "Anfangszeit" sind aufschlussreich. O'Reilly fasziniert mich immer wieder.
Übrigens meines Wissens ist Wordpress das häufigst eingesetzte CMS. Donanza hat dazu mal eine Übersicht gemacht, das war bereits 2010: http://www.donanza.com/blog/2010/10/25/work-from-home-market-trends-report-q3-2010/
WP ist damit das günstigste CMS und Drupal wohl das beste - gerade für große Seiten, da muss ich Marta recht geben.

Grüße, Sabrina


Marta Nierada
2011-09-10, 15:06:34
Hallo Joachim,

gängige CMS-Systeme wie Typo3 lohnen sich insbesondere für größere Projekte, in denen viele Daten (Texte, Bilder etc.) angelegt werden müssen. Hier ist es auch sehr praktisch, dass separate Zugangsbereiche für unterschiedliche Benutzer angelegt werden können. Dafür ist der Aufwand des erstmaligen Einrichtens höher, als dies z.B. bei Wordpress der Fall ist. Letzteres ist meiner Erfahrung nach auch im Bereich Suchmaschinenoptimierung sehr stark.

Viele Grüße


Rudolf Bösiger
2011-01-18, 15:16:43
Guten Tag

Sehr ausführlicher Artikel, danke. Eventuell interessiert noch die Verbreitung der Systeme: 2 von 3 Websites von Kleinfirmen basieren heute auf einem CMS, wobei Joomla! das meistgebrauchte CMS ist, stark im Kommen gerade im Niedrigpreissegment ist Wordpress. Das ergibt unsere Erhebung auf www.website-kosten.com.

Viele Grüsse


 

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