Content- Management- Systeme
Universalgenie im Expertenmodus
© w3nord, Juli 2010.
Bis vor wenigen Jahren waren Form, Inhalt und Funktionalität einer Website meist untrennbar miteinander verwoben. Das Einstellen von Texten und Bildern erforderte programmiertechnische Fachkenntnisse, Design und Content mussten regelrecht in die Codestrukturen einer Website eingeflochten werden. Was lag also näher, als dem Webmaster sämtliche mit der Website in Zusammenhang stehenden Aufgaben gänzlich zu übertragen, ganz gleich, ob es sich um Programmierung, Bildbearbeitung und -gestaltung oder das Verfassen redaktioneller Artikel handelte?
Durch die enorme Zunahme der Bedeutung und damit einhergehend der kommerziellen Chancen des Internet wuchsen die Qualitätsansprüche an Webpräsenzen. Zugleich sorgte die ungebremste Fortentwicklung (informations-) technologischer Möglichkeiten für eine gesteigerte Komplexität der Aufgabenstellungen.
Diese stetig wachsenden Anforderungen führten schließlich wie in nahezu allen anderen entwickelten Wirtschaftsbereichen dazu, dass Arbeitsteilung und Spezialisierung bei der Gestaltung von Internetseiten verstärkt vorangetrieben wurden. Denn ein guter Autofahrer muss nicht zwingend ein erstklassiger Automechaniker sein und ein guter Mechaniker nicht unbedingt ein überragender Konstrukteur. Tun sich aber Experten aus den jeweiligen Fächern zusammen, sind sie als Team dem Universalgenie, das sich in allen Disziplinen versucht, in der Mehrzahl der Fälle deutlich überlegen.
Durch die Einführung und Verbreitung von (Cascading) Style Sheets (CSS) gegen Mitte der 1990er Jahre[1] wurde es möglich, Text- und Seitenformatierung weitgehend aus dem HTML-Code heraus in einen davon getrennten Layout- Bereich auszulagern (Stichwort: Boxmodell[2]). Die etwa zur gleichen Zeit entwickelten Scriptsprachen Javascript[3] und PHP[4] eröffneten breiten Anwenderkreisen vergleichsweise komfortable Möglichkeiten, durch Variabilisierung, Flexibilisierung und Dynamisierung der Seiteninhalte sowie insbesondere durch die Integration einer Fülle interaktiver Funktionen quasi in neue Dimensionen dynamisch-interaktiver Webseitengestaltung vorzudringen. 'Web 2.0'[5] ist der Schlachtruf dieser Aufbruchstimmung, die zu Beginn diesen Jahrhunderts Fahrt aufnahm.
Die Anzeige von - je nach Herkunft oder (anhand gesammelter Daten vermuteten) Interessen des Besuchers - unterschiedlichen Seiteninhalten, eine zeit- zufalls- oder anderweitig gesteuerte Seitenoptik, die Ausgabe sich aktualisierender Feeds, Foren und Chatrooms, in denen die verschiedenen Nutzergruppen über unterschiedliche Berechtigungen verfügen, sind Beispiele für Features dieses 'Internet reloaded'.
Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse und Voraussetzungen ist die Entwicklung von (Web-) Content- Management- Systemen, kurz (W)CMS, zu verstehen.
Eine von einem modernen CMS gesteuerte Website konstituiert sich grob betrachtet aus den 3 Teilbereichen: Funktionalität - Form - Inhalt, die ineinander greifen und sich gegenseitig ergänzen. Jeder dieser Bereiche ist zwingend erforderlich, andererseits kann jeder dieser Bereiche weitgehend unabhängig von den anderen Bereichen von Spezialisten des jeweiligen Faches bearbeitet werden.
Der Programmierer stellt Programmstruktur und Funktionalität zur Verfügung, um beim Autovergleich zu bleiben also sozusagen Motor und Fahrwerk des Gefährts, der Designer sorgt für das gestalterische Konzept und die Informationsarchitektur, also die Karosserie incl. der Anordnung der Instrumente im Cockpit, während der Redakteur oder Autor für den textlichen, graphischen und interaktiven Content verantwortlich zeichnet, also gewissermaßen am Steuer des Fahrzeuges sitzt, das Ziel der Fahrt bestimmt und die Fahrgäste auswählt.
In der Praxis erlauben Conten- Management- Systeme den Betrieb einer Website weitgehend ohne Kenntnis der einschlägigen Auszeichnungs- bzw. Programmiersprachen wie (X)HTML, PHP, CSS oder Javascript etc.. Denn für die Funktionalität haben ja bereits die Programmierer gesorgt, die das CMS entwickelt haben. Und auch spezielle Fachkenntnisse und Fähigkeiten im künstlerisch-gestalterischen Bereich sind nicht erforderlich, denn diesen Bereich deckt der Designer ab, der Rahmen und schmückendes Beiwerk der Internetpräsenz in Form eines günstigenfalls individuell gestalteten Templates beisteuert.
Der Redakteur bzw. Autor kann sich daher ganz auf die Erstellung interessanter und attraktiver textlicher, bildlicher oder sonstiger Inhalte konzentrieren sowie auf die damit verbundenen entsprechenden vorbereitenden Arbeiten und Massnahmen wie z.B. Recherche, Studium und Analyse. Darüber hinaus kann er diesen Content mit vergleichsweise geringem Aufwand selbst auf der Seite anordnen und publizieren.
Content- Management- Systeme sind damit ein ideales Werkzeug für den engagierten Redakteur und Webmaster, der die Inhalte seiner Website selbstverantwortlich und aktiv gestalten und die Kosten dafür im Griff behalten möchte, ohne sich in erheblichem Umfang in die technische Ebene der Webentwicklung einzuarbeiten.
Durch die Vielzahl an Erweiterungsmodulen (Plugins), die oftmals von einer vielköpfigen Community meist im Rahmen von Open Source Projekten zur Verfügung gestellt werden, ist inzwischen ein dem aktuellen Stand der Technik entsprechendes, aktiv von einem Team von Experten weiterentwickeltes CMS in der Regel einer individuell programmierten Webpräsenz überlegen, wenn man alle Bewertungsfaktoren einschließlich Kosten-/Nutzenrelation berücksichtigt. In einem derartigen CMS sollte zudem immer die Möglichkeit bestehen, evtl. doch noch fehlende und nicht als Plugin angebotene Funktionalitäten individuell nachzurüsten.
Der systembedingten Uniformität eines CMS kann man dadurch entgehen, indem man das CMS in ein individuelles, ggfls. von einem Designer kunstvoll gestaltetes Template kleidet. Einem solchen Template sieht man oftmals nicht an, welches CMS sich dahinter verbirgt.
[1] ↑ The CSS Saga
[3] ↑ Javascript: How Did We Get Here?
[4] ↑ History of PHP
[5] ↑ Web 2.0 (Wikipedia)

